Wie ich rausfinden wollte, ob ich Covid-19 habe

Wie ich rausfinden wollte, ob ich Covid-19 habe

Wann immer ich in den letzten Wochen diese Geschichte erzählt habe, wurde mir aus den Reaktionen klar, dass es tausende ähnliche Geschichten geben muss. Deshalb habe ich meine exemplarisch aufgeschrieben.
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Es war Sonntagabend,auf der Couch scrollte ich träge durch meinen Facebook-Feed und stockte bei einem Beitrag des Berliner Clubs Kater Blau. Im selben Moment bekam ich eine WhatsApp-Nachricht von einer Freundin: „Hey, ihr wart doch letzten Samstag im Kater. Da gab es einen Fall, ihr sollt euch beim Gesundheitsamt melden.“

Die Nachricht erwischte mich kalt. Erst ein paar Tage zuvor hatten wir bei einem Essen mit Freund*innen darüber gesprochen, dass Covid-19 ein Problem unseres Gesundheitssystems sei, aber nicht unser persönliches. Heute weiß ich: An jenem Abend war ich potentiell am stärksten ansteckend. Denn am Tag darauf hatte ich folgende Symptome bekommen: Halsweh, Kopfweh und Probleme beim Einatmen. Mit Covid-19 hatte ich das bisher nicht in Verbindung gebracht. Ich teilte die landläufige Einschätzung, ohne Husten und Fieber sei es „sicher kein Corona“.

Der Facebook-Post des Kater Blau verwies auf das Gesundheitsamt, wo man sich per Mail melden sollte, wenn man am fraglichen Abend in dem Club war. Denselben Aufruf verbreiteten inzwischen alle relevanten Berliner Tageszeitungen. Ich schrieb also die Mail und setzte die Freundinnen, mit denen ich tanzen war, cc.

Dabei bemühte ich mich um einen sachlichen Ton, weil ich mich nicht in den Vordergrund spielen und nicht panisch wirken wollte. Deshalb erwähnte ich nicht einmal meine Symptome. Ich war überzeugt, man würde sich eh bei uns zurückmelden und uns testen. Schließlich waren wir medial dazu aufgerufen worden, uns zu melden!
Trotzdem rief ich zusätzlich die Corona-Hotline an. Die Person am Telefon fragte, ob ich Fieber hätte und bat mich, am nächsten Tag das zuständige Gesundheitsamt anzurufen. Dort könne man mir sagen, ob ein Test nötig sei. – Wie, nötig? Natürlich war der nötig. Ich war Verdachtsfall und Kontaktperson! Oder?

Anrufe beim Gesundheitsamt: erfolglos

Am nächsten Morgen ließ ich mich als erstes telefonisch krankschreiben. Dann rief ich immer wieder beim Gesundheitsamt an. Ich kam nicht durch. Im Tagesverlauf horchte ich sehr aufmerksam in meinen Körper hinein. Meine Lunge schmerzte, mein Hals schmerzte, ich war schlapp und meine Rückenschmerzen wurden stärker. Ich beruhigte mich damit, dass ich alles richtig machte, indem ich daheimblieb. Ich hatte ja kein Fieber. Gleichzeitig nagte der Zweifel an mir, denn eine befreundete Ärztin hatte mir gesteckt, dass die Leitsymptome in vielen Fällen gar nicht Fieber und Husten seien.

Am Dienstag erfuhr ich, dass der Freund einer Freundin, mit der ich am Abend unseres Club-Besuchs zu Abend gegessen hatte, positiv getestet worden war. Sie hatte auch Symptome und sollte am nächsten Tag zum Test. Ich versuchte erst recht das Gesundheitsamt zu erreichen, schließlich war ich ja nun doppelte Kontaktperson. Keine Chance.

An Tag Drei schrieb ich eine weitere Mail, schilderte meine Symptome und hängte proaktiv den Corona-Erfassungsbogen an, anhand dessen das Gesundheitsamt Personen als Verdachtsfälle einstuft.

Am nächsten Tag, Donnerstag, stand fest: Meine Freundin mit dem infizierten Freund war wie erwartet auch positiv. Ihnen ging es gesundheitlich zum Glück schon besser. Ich hakte die Sache mit dem Amt innerlich ab und entschied mich zur freiwilligen Quarantäne bis Dienstag. Dann wären vierzehn Tage nach Auftreten der ersten Symptome vorbei.

Rückruf nach fünf Tagen: ergebnislos

Am Freitagvormittag kam doch noch ein Anruf. Eine Mitarbeiterin des Gesundheitsamtes meldete sich aufgrund meines Fragebogens. Dass ich zu den Kater-Gästen gehörte, hatten sie noch gar nicht registriert.
Ich schilderte meine Symptome und meine Kontakte. Ich fragte nach einem Test und teilte meine Sorge, noch andere angesteckt zu haben. Sie riet mir stattdessen, Kontaktpersonen mit Symptomen aufzufordern, sich beim Gesundheitsamt zu melden und sich auf mich zu berufen.
Ging sie also davon aus, dass ich infiziert war? Worauf sollten mögliche Kontaktpersonen sich denn berufen, wenn ich nicht getestet wurde? Sie wusste es nicht, aber wollte den Fall an eine Ärztin weiterleiten, die dann entscheiden würde, ob ein Test nötig sei. Ich fühlte mich wie in einem Karussell gefangen.
Was ich denn jetzt tun solle, wollte ich wissen und bekam als Antwort: „Wenn wir davon ausgehen, dass ihre Ansteckung in der Nacht zum 8. März war und vierzehn Tage drauf rechnen, dann müssen Sie bis Sonntag in Quarantäne bleiben.“ – „Bis Sonntag? Das ist übermorgen. Ich habe immer noch Symptome.“
Hier endete die Auskunft, eine Amtsärztin würde sich gegebenenfalls noch mal melden.

Selbstzweifel und am Ende doch Corona?

Am Wochenende zweifelte ich bereits an meiner eigenen Quarantäne-Konsequenz. Schließlich wusste ich nicht mal, „ob ich es hatte“. Das Gesundheitsamt konnte die Gefahr ja auch nicht als besonders hoch einschätzen. Vielleicht übertrieb ich maßlos? Damals wusste ich noch nicht, dass ein Testergebnis bei leichtem Verlauf im Grunde irrelevant ist. Quarantäne hilft immer. Außerdem waren die Labore schon überlastet.

Am Montagmorgen wollte ich kurz meine Freiheit beschnuppern, bevor am Dienstag die Kontaktsperre in Kraft treten würde, und spazieren gehen. Da klingelte das Telefon. Eine Amtsärztin, endlich. Wie lange ich denn schon Symptome hätte und wie es mir inzwischen gehe. Halsweh wurde langsam besser, Kopfweh war noch da und auf der Lunge lag noch ein leichter Druck. Sie verlängerte meine Quarantäne um zwei Tage, also bis Dienstag.

Gehört habe ich seitdem nichts mehr, aber später in der Zeitung gelesen, dass inzwischen auch Verdachtsfälle mit Symptomen nach neuer Falldefinition als Covid-19-Fälle eingestuft werden können.

Photo by Kyndall Ramirez on Unsplash

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