Und alles verschwimmt hinter Milchglasfolie

Und alles verschwimmt hinter Milchglasfolie

Berlin, April 2020. Es hat uns erwischt – wir sind eingerüstet. Wie davor schon so viele andere Wohnhäuser in Neukölln, einem Stadtteil, der seit Jahren kontinuierlich aufgewertet und gentrifiziert wird. Und nun also auch wir. Pünktlich zur Einführungen der Homeoffice-, Abstands- und Kontaktregelungen dachte sich der neue Eigentümer unseres Hauses, dass es nun an der Zeit wäre, den Gebäudekomplex, in dem wir und weitere Familien und Einzelpersonen leben, weiter zu entwickeln und die Fassade streichen zu lassen. Kann es einen besseren Zeitpunkt geben?

Doppelt isoliert

Nun ist also ein Gerüst in unserem Innenhof, in dem wir im Sommer Feste feiern und die Kinder der Nachbarn auf ihren Rädern entlang fetzen, aufgestellt und die Fenster wurden nach und nach abgeklebt.

Jetzt sind wir isoliert. Nicht nur von unseren Mitmenschen, sondern gefühlt der ganzen Welt. Es ist, als würden wir die aktuelle Krise in unserer eigenen kleinen Zeitkapsel durchleben. Alles wirkt noch weiter weg und welche Tageszeit haben wir eigentlich gerade? Alles verschwimmt.

Wach werden mit Dirk

Und wenn morgens um 7.30 Uhr die Gerüstbauer anfangen die Metallstäbe durch die Gegend zu werfen, erklingt die Stimme von Dirk von Lowtzow in meinem Kopf und er singt:


Frauke Witzler ist freiberufliche Fotografin und Lichtdesignerin und arbeitet im Bereich Stadt- und Quartiersentwicklung. Sie lebt in Berlin, so wie sich das hier jeder wünscht: in einer Hausgemeinschaft, mit zusammen genutztem Innenhof und einer Remise, wo die Bewohner*innen ihre Werkstätten und Ateliers haben. www.verve-photography.de

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