Corona-Fragebogen #6

Als wir am 18. März 2020 die inzwischen als historisch bewertete Ansprache von Bundeskanzlerin Angela Merkel miterlebten, löste das sehr unterschiedliche Reaktionen in uns aus. Aber uns beiden war danach klar: Die Lage ist ernst und sie würde nicht innerhalb von zwei Wochen Quarantäne-Zeit vorbei sein. Mit einem Mal befanden wir uns in einer Situation, die für unsere Gesellschaft und unserer Generation ohne Beispiel ist.

Zeitgleich entschieden wir, diesen Blog zu starten. Wir wollten all die lauten und leisen Gedanken, die durch unsere Köpfe schwirrten, die Erfahrungen die wir machen, festhalten. Unser Austausch wurde ganz automatisch zu einer Corona-Chronik.

Jeden Freitag stellen wir uns nun gegenseitig drei Fragen – zur aktuellen Situation und zu unserem eigenen emotionalen Zustand.


Drei Fragen am… Freitag, 24.04.2020

Jana, wie war die Woche?

Wusstest du, dass in der Sperrzone rund um Tschernobyl ein Waldbrand wütet? Wir sind vollkommen von diesem Virus bzw. dem Umgang damit absorbiert. Die anhaltende Auseinandersetzung mit Angela Merkels Äußerung zu „Öffnungsdiskussionsorgien“ zeigt, wie sehr sich die Corona-Debatte auf die Meta-Ebene verschoben hat: Wir diskutieren darüber, ob wir zu viel diskutieren und ob man darüber diskutieren darf, dass wir zu viel diskutieren. Der niedrige Reproduktionsfaktor war nur ein Oster-Effekt, wir sollen jetzt doch alle Masken tragen. Und die (systemrelevant wirtschaftende) Bundesliga soll Sonderregelungen bekommen, die (systemirrelevant wirtschaftende) Kulturbranche aber erst mal nicht. Brot und Spiele, aber bitte nicht zu intellektuell, sonst wird’s noch meta-er.

Mit der europäischen Solidarität ist es der Tage ja nicht so weit her, siehe festgefahrene Diskussion um Corona-Bonds und ESM. Ich finde das ja einigermaßen frustrierend. Jetzt wurde gestern vom EU-Parlament ja ein Milliarden-Hilfspaket verabschiedet. Welchen Umgang mit der Krise hättest du dir von Europa in dieser Situation gewünscht bzw. wünscht du dir?

Finanzielle Hilfen auf europäischer Ebene sind absolut notwendig. Die Knüpfung des Paketes an die Pfeiler Jobsicherung, kleinere und mittlere Unternehmen und besonders schwer betroffene Staaten finde ich folgerichtig. Das Argument, dass eine gemeinschaftliche Umschuldung zu lange dauern würde, hingegen ist zu kurz gedacht. Wir haben gegen dieses Virus nur eine Chance, wenn wir uns zusammenschließen, uns gegenseitig Ressourcen zur Verfügung stellen, Wissen transferieren, die Kapazitäten der medizinischen Versorgung gemeinschaftlich auslasten, statt sie in den einzelnen Mitgliedsstaaten zu überlasten. Europa ist bislang die am stärksten vom Virus betroffene Region der Welt. Am Fall Corona könnten wir endlich lernen, was europäische Gemeinschaft jenseits nationaler Begrenzungen alles sein kann – und dazu gehört dann auch Verantwortung füreinander zu übernehmen wie in einer echten Gemeinschaft.

Worauf freust du dich diese Woche besonders?

Auf Montag, da launchen wir den Blog!

Laura, wie war die Woche?

Partes Pro Toto nimmt Gestalt an! Das freut mich total und vor allem freut mich, dass ich diese Woche mehr Zeit für unser Herzensprojekt hatte.

Erste Geschäfte wieder auf, dafür kommt die Maskenpflicht. Reproduktionsfaktor wegen Ostern kurz unten, jetzt gehen die Zahlen wieder hoch. Was gibt dir in dieser Woche Halt?

Keine Nachrichten zu kucken, haha! Im Ernst: Ich kann nicht mehr. Jeder sagt was anderes. Ist mir auch egal. Ich freu mich gerade, am Montag Partes Pro Toto zu launchen!

Was hat dich diese Woche überrascht?

Dass, kaum dass die Lockerungen in Kraft treten, die vorherigen Maßnahmen von mancher Seite als „überflüssig“ dargestellt werden.

Das finde ich vor allem auf einer theoretischen Ebene interessant, weil das – neben anderen Aspekten natürlich – zeigt, was das Tückische an Krisenreaktionen / -Politiken sein kann: Wirken die Maßnahmen nicht, waren sie zu lasch, wirken sie, sind sie im Zweifelsfall zu streng oder gar überflüssig gewesen.

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